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AA-Sein oder Nicht-AA-Sein?

Probleme, Erfahrungen und Berichte zum Thema Alkohol

AA-Sein oder Nicht-AA-Sein?

Beitragvon Jochen » 28. Apr 2009, 13:13

Liebe Freunde,

seit nunmehr 13 Monaten habe ich keinen Alkohol mehr getrunken und bin froh darum. Erst nach dem DoS beschäftigte ich mich mit den Schriften der Anonymen Alkoholiker und fand hier große Hilfe für mich. Bis heute habe ich nicht aufgehört, im blauen Buch zu lesen. Auch die Schritte versuche ich umzusetzen, wobei dies noch nicht durchgängig gelingt. Bei all den neuen Dingen, die ich lernte, fiel mir auf, dass dies nur durch bedingungslose Ehrlichkeit zu mir selbst funktionierte. Das war neu für mich, hatte ich doch durch die Sauferei immer unehrlich sein müssen - gegenüber mir und allen Menschen meiner Umgebung.

Ich habe das Programm der AA so angenommen wie es mir vor die Füße fiel, irgendwann Mitte 2008, im Internet. Zuerst habe ich das gemacht, was das dümmste ist, um etwas Neues zu erfahren: Ich habe mich über AA informiert. Dabei kam viel Murks heraus. Etwas später machte ich es besser, ich fand die Quellen der AA und schaute mir diese an. Damit wurde klar: Die AA sind keine Religion, kein Verein, keine Gesellschaft, kein Verband und keine Sekte. Sie sind eine Gemeinschaft von Menschen mit dem gleichen Problem - der Alkoholsucht.

Erst heute bin ich so weit, dass ich den Grundsatzdiskussionen über die Anonymen Alkoholiker stand halten kann. "Ich bin AA", "Ich bin nicht AA", was soll das? Wir haben ein Problem und dem muss jeder so beikommen, wie es ihm liegt. (Das heißt natürlich nicht, dass es beliebige Wege gibt, dem Alkohol zu entrinnen.) Das ganze erinnert mich an Aussagen wie "Ich bin CDU, SPD, etc."; warum sollten wir unser Gehirn abgeben an eine Partei? Nur um nicht selbst denken zu müssen?

Und jetzt kommt etwas zusammen was zusammen gehört: Alkohol und Vermeidung von Selbstdenken! Wir treffen auf das verbreitete Schubladendenken der nassen Alkoholiker, obwohl vielleicht inzwischen trocken geworden. Der "Ich bin AA"-Mensch läuft Gefahr, sein eigenes Nachdenken an eine "Religion AA" abzutreten. So ähnlich wie ein gläubiger Christ eventuell meint "Der Papst wird's schon richten". Der "Nicht-AA"ler ist genauso schlecht beraten: Er lehnt die "Religion AA" ab (eben weil es für ihn eine Religion ist) und übersieht vielleicht dabei die überaus vorteilhaften Anleitungen und Programme dieser Gemeinschaft.

Ich bin noch lange nicht am Ende mit Lernen und freue mich darauf, immer und immer wieder neue und interessante Gedanken meiner Freunde aufnehmen zu dürfen. Eins habe ich schon gelernt - in eine Schublade lasse ich mich nicht (mehr) stecken und bevor ich jemanden oder etwas ablehne, schaue ich genau hin.

Ich wünsche uns allen wirklich fruchtbare Diskussionen zu diesem Thema. Und wenn es möglich wäre - ohne die "nasse" Aggressivität in den Vordergrund zu stellen.

Herzlichen Dank für's Lesen und gute 24 Stunden,
Euer Freund Jochen
Gute Freunde helfen einander.
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Re: AA-Sein oder Nicht-AA-Sein?

Beitragvon Klaus » 31. Aug 2009, 21:53

Hallo Jochen,
Hallo Ihr Lieben,

mein Name ist Klaus und ich bin Alkoholiker und bin mit Hilfe der AA trocken geworden. Damals wusste ich gar nicht, dass es außer AA überhaupt noch andere Selbsthilfegruppen gibt. Mir hat es geholfen und bis heute besuche ich mindestens einmal in der Woche ein Meeting. Da ich jetzt schon über 9 Jahre bei AA bin und auch trocken, sind es inzwischen sehr viele Meetings geworden.

Eine Organisation, wie die Anonymen Alkoholiker, welcher ich vermutlich verdanke, dass ich überhaupt noch lebe, aber auf alle Fälle, dass ich so lange trocken sein darf, ist mir natürlich heilig und ich verteidige sie auch mit Haut und Haar.

Gleichzeitig ist mir natürlich auch bewusst, dass es andere Alkoholiker gibt, für die eine andere Selbsthilfegruppe besser ist als AA! Hauptsache ist doch, dass jemand trocken ist und bleibt. Daher sehe ich auch alle anderen Selbsthilfegruppen nicht als Konkurrenz, sondern eher als Weggefährten. ;)

Und noch was: jedes Jahr hat bei uns auf dem Stadtfest der Kreuzbund einen Stand. Bei mir ist es inzwischen Tradition, dass ich dort hin gehe und einen Kaffee trinke und einen Kuchen esse. :)

Gute 24 Stunden

Klaus, Alkoholiker :roll:
Klaus
 

Re: AA-Sein oder Nicht-AA-Sein?

Beitragvon Hans aa-leben » 25. Nov 2009, 09:00

Hallo Freundinnen & Freunde
Hans Alkoholiker heute trocken

Und wieder mal etwas aus meinem Leben
Als ich mein trinken kontolieren wollte oder es zumindest versuchte, da kontrolierte mich schon längst meine Sucht. Der Alkohol kontrolierte mich Tag und Nacht. Bei jeder noch so kleinen Unpässlichkeit oder bei jeder geringen Schwierigkeit war er zur Stelle und ich habe ohne zu überlegen diese so trügerische Hilfe angenommen.

Als ich dann am Ende war, als ich nicht mehr weiter wusste, als ich es in der Hölle nicht mehr aushalten konnte, da habe ich nicht nur nach Hilfe gerufen. Ich habe danach geschrien, ja wirklich darum gebettelt. Nichts ging mehr, ich war angekommen. Ich wollte nicht elendig verrecken. Ich fand die Anonymen Alkoholiker AA, Ich wurde aufgenommen wie ein verlorener Sohn mit nur wenigen Worten. Setz Dich zu uns, wenn Du möchtest erzähl uns von Dir oder hör einfach nur zu. Du bist nicht mehr allein. Und am Ende des Meetings
dann der Satz KOMM WIEDER ES FUNKTIONIERT

War das alles Zufall, Vorsehehung, Glück oder Gnade ? daß ich bei AA gelandet war ? Gedanken habe ich mir nie darüber gemacht. Doch im Laufe der Zeit habe ich mir über vieles andere für mich noch nicht gleich verständliches Gedanken gemacht und ich durfte lernen, lernen, immer wieder lernen. Seid vielen Jahren bin ich regelmässig in der Landesklinik auf den verschiedensten Stationen um den Patienten die Botschaft dieser
großen Gemeinschaft AA zu bringen. Viele von ihnen haben auch mal geglaubt, daß sie ihre Entzugs -Erscheinungen schon aushalten könnten, sie alleine für sich zu Hause wieder in den Griff bekommen würden. Leider haben einige diesen Irrtum nicht überlebt und wieder andere können die durch diesen Irrtum entstandenen körperlichen Dauerschäden nicht mehr am normalen Leben, an ihrem Leben teilnehmen. Oft ist es für sie nur noch ein dahin vegitieren. Menschenunwürdig ( OHNE WÜRDE WÜRDELOS )

Nicht alle, doch eine große Anzahl derer die in der Klinik grade ihre Entgiftung hinter sich bringen oder eine Therapie absolvieren, wollen etwas von AA wissen aus welchen Gründen auch immer. Doch niemand von ihnen ist aus diesem Grund dazu verurteilt einen schwereren oder vielleicht unmöglichen Weg gehen zu müssen, weil er oder sie sich vielleicht in einer anderen Selbsthilfegruppe mit einem anderen Namen wohl fühlen kann und darf.

Es gibt viele verschiedene Selbsthilfegruppen in die jeder einzelne gehen kann um ein neues trockenes Leben, sein neues trockenes Leben zu beginnen. Es gibt keine Selbsthilfegruppe die ein Monopol auf Erfolg, auf Einzigartigkeit, auf alleinige Gültigkeit hat oder die positive Resultate verbindlich garantieren kann. Nur wo ich mich wohlfühle da kann ich auch genesen und Lebensfähig werden.

Wenn mein erster Kontakt nach über einem viertel Jahrhundert Saufen, nach so viel Jahren tödlicher Hölle in einer Selbsthilfegruppe begonnen hätte mit dem Namen Heinzelmännchen oder Gartenzwerge, mir wäre es mehr als egal gewesen. Mir war alles egal, denn ich wollte LEBEN JA ÜBERLEBEN.

Wenn ich wirklich nach Hilfe rufe, schreie, bettele, dann bin ich ohne Bedingungen, ( BEDINGUNGSLOS ) bereit
Hilfe zur Selbsthilfe anzunehmen, egal wo ich sie bekomme

( ICH DARF LEBEN ICH MUSS ES NICHT

Euch allen gute 24 Stunden

Hans Alkoholiker heute trocken
Hans aa-leben
 

Re: AA-Sein oder Nicht-AA-Sein?

Beitragvon Sybille R » 19. Jan 2010, 21:31

Hallo Freunde,
ich kenne auch den inneren Konflikt, mich einerseits in AA manchmal zuhause zu fühlen, andererseits auf keinen Fall von einer Gruppe abhängig werden zu wollen. Deshalb ist mein Weg irgendwie rein und raus aus Selbsthilfegruppen. Ich finde sie gut, das auf jeden Fall, gar keine Frage, aber mich engen sie dann auch wieder so ein, dass ich gehen muss. Alleine schaffe ich es aber auch nicht, konsequent ohne Alkohol zu bleiben, ich fange wieder an, höre auf, fange wieder an, höre auf. Ich kann einfach keine dauerhafte Zugehörigkeit empfinden zu einer der Selbsthilfegruppen, wobei ich nur AA kenne, keine andere Gruppierung bisher. Ich kann die Schritte einfach nicht befolgen, in mir wehrt sich etwas dagegen. Ich kenne Leute, die haben es alleine geschafft, das wünschte ich mir auch. Ich möchte jetzt endlich klar dabei bleiben, nicht wieder anzufangen. Ich spüre, die Schritte und die Meetings könnten mir helfen, ich kann mich aber nicht wirklich darauf einlassen, als Besuch ja, mal, irgendwie, aber nicht dauerhaft. So hoffe ich, dass ich meinen Weg so finde, dass ich ab und zu reingehe, wenn der Druck zu groß wird, dass ich AA nutze für mich, wenn ich es brauche, aber keine Schuldgefühle habe, wenn ich dann wieder gehe, weil ich nicht sagen kann, ich bin AA. Ich will einfach nur trocken bleiben diesmal, mehr nicht. Die Frage ist, geht das so? Ich werde es auf jeden Fall versuchen.
Danke fürs Lesen, Claudia
Sybille R
 

Re: AA-Sein oder Nicht-AA-Sein?

Beitragvon Jochen » 20. Jan 2010, 11:43

Liebe Claudia, liebe Freunde,

für mich ist das Wichtigste, dass ich nicht mehr trinken muss. Im Laufe der letzten 1 1/2 Jahre habe ich gelernt, wieder Selbst"bewusst"sein aufzubauen und die Dinge zu tun, die in mir sind. Der Gedanke an Alkohol lässt mich inzwischen kalt. Trotzdem gibt es noch immer Gedanken an's Saufen, sei es in Träumen oder auch sonstwann. Wenn das passiert, weiß ich, dass ich krank bin - und mein Verstand fährt zum Glück dazwischen.

Am Anfang meines trockenen Lebens hatte ich den Vorsatz, nie wieder zu trinken. Es war ein einziger Krampf. Ich war der festen Meinung, dass ich mit diesem Vorsatz mein Alkoholproblem ein für alle Mal besiegt hätte. In Wirklichkeit war ich dabei, es zu verdrängen. Ich hatte die Rechnung ohne den Wirt Alkohol gemacht, denn die Gedanken ans Trinken kamen oft und ich musste um meine Trockenheit kämpfen. Auf die Dauer hätte das unweigerlich zum Rückfall geführt.

Ende 2008 stieß ich auf die Anonymen Alkoholiker und befasste mich intensiv mit den Prinzipien. Da ich als "knallharter" Naturwissenschaftler mit Gott und höherer Macht nun gar nichts am Hut hatte, musste ich mich erst einmal darauf einlassen, was da in dem Blauen Buch stand. Erst beim zweiten Lesen konnte ich der Logik und den Inhalten folgen und es dauerte noch eine ganze Weile, bis ich einiges auch verstehen konnte.

Sicher gibt es Leute, die es alleine schaffen, ihre Trockenheit zu erhalten. Aber erstrebenswert ist das für mich nicht mehr. In meiner Anfangszeit habe ich das versucht, und wäre um ein Haar kläglich gescheitert. Ich muss dazu anmerken, dass ich bisher noch nicht in einem Live-Meeting der AA war, allerdings sehr wohl online. Ich werde es demnächst tun, obwohl es für mich aus beruflichen Gründen schwierig ist, regelmäßig teilzunehmen.

Meetings sind ja grundsätzlich freiwillig, also steckt da kein Teilnahmezwang drin wie zum Beispiel beim sonntäglichen (katholischen) Kirchgang. So würde ich niemals deswegen in ein Meeting gehen, wenn mir jemand sagen würde "Gehst du da nicht hin, wirst du rückfällig". Andererseits ist es für mich nachteilig, wenn ich ein Meeting nur dann besuche, wenn es mir schlecht geht; in diesem Fall wäre ich auf dem Weg zurück in den Kampf gegen den Alkohol. Also muss ich einen Rythmus finden, der für mich passt.

Die Schritte der AA waren für mich unakzeptabel. Schon mit dem ersten Schritt hatte ich ein dickes Problem. Ich sollte vor dem Alkohol kapitulieren? Ich kämpfte doch gegen ihn und wollte ihn besiegen. Ich war doch schon 1/2 Jahr trocken. Als ich mir dann überlegte, wie oft ich in diesem halben Jahr ganz dicht vor einem Rückfall stand, wurde mir klar, dass meine Kraft nicht ewig dafür ausreichen würde. Das passierte nicht von heute auf morgen, aber nach kurzer Zeit hatte ich es so einigermaßen verstanden.

Und dann gibt es noch 11 weitere Schritte. Ich kenne sie, ja, aber es wäre vermessen, zu behaupten, ich hätte sie komplett verstanden, geschweige denn umgesetzt. Gerade diejenigen, worin es um Gott bzw. höhere Macht geht, machen mir noch ziemlich zu schaffen. Das liegt aber an mir. Zu sehr verbinde ich noch immer Gott mit Kirche. Wie gesagt, das ist mein persönliches Problem. Wenn ich die Schritte auswendig lernen würde, um sie anschließend anderen Alkoholikern "herunterzubeten" - was sollte das denn für einen Nutzen, egal wem, bringen? Ich wage zu behaupten, dass dies kontraproduktiv ist.

Liebe Claudia, nimm Dir doch einfach das, was Dir gut tut. Auch in den Meetings. Es wird immer Leute geben, die sich profilieren möchten; versuche solches Verhalten zu tolerieren, als menschlichen Fehler zu akzeptieren. Achte auf Dich, auf das was Dir Geist und Seele "meldet". Es hat bei mir eine Weile gedauert, bis es funktionierte. Dazu musste ich ein gutes Stück egoistischer werden; aber das kam automatisch, nachdem ich nicht mehr vom Alkohol "gelebt" wurde.

Liebe Grüße und gute 24 Stunden wünscht Dir und allen der Jochen!
Gute Freunde helfen einander.
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Re: AA-Sein oder Nicht-AA-Sein?

Beitragvon Hans aa-leben » 20. Jan 2010, 14:53

Hallo Freundinnen & Freunde

Hans Alkoholiker heute trocken.


Und jetzt kommt etwas zusammen was zusammen gehört: Alkohol und Vermeidung von Selbstdenken! Wir treffen auf das verbreitete Schubladendenken der nassen Alkoholiker, obwohl vielleicht inzwischen trocken geworden. Der "Ich bin AA"-Mensch läuft Gefahr, sein eigenes Nachdenken an eine "Religion AA" abzutreten. So ähnlich wie ein gläubiger Christ eventuell meint "Der Papst wird's schon richten". Der "Nicht-AA"ler ist genauso schlecht beraten: Er lehnt die "Religion AA" ab (eben weil es für ihn eine Religion ist) und übersieht vielleicht dabei die überaus vorteilhaften Anleitungen und Programme dieser Gemeinschaft.


Ich lasse das mal so stehen und versuche mal von meinen Anfängen zu schreiben.

Ist Gott oder eine Höhere Macht heute noch ein Thema für mich ? Für mich ja und was für ein Thema.

Bis zu meinem 18 Lebensjahr bin ich von Nonnen und Ordensbrüdern erzogen worden. Erzogen ? Nein. Ich wurde Dressiert. Mir wurde ein gefährliches Gift eingehaucht, von dem ich mich nie mehr befreien konnte. Unmerklich, Schleichend, Fordernd und immer mehr Besitzergreifend. Eine Religion ist bei mir eingezogen, wie eine unheilbare Krankheit, als mein Körper und meine Seele noch klein waren und nichts dagegen tun konnten, sich nicht ohne große Bestrafung wehren konnten. Die Narben dieser religiösen Dressate sind bei mir nie ganz verheilt, zumindest sind sie immer mal wieder sichtbar, ja spürbar und präsent.

Als ich zu AA kam, war alles was ich ein halbes Leben lang ängstlich totgeschwiegen hatte ganz plötzlich wieder da. Der Name Gott, Höhere Macht, Spiritualität und auch der Hauch einer gewissen Frömmigkeit, oder war es Gläubigkeit, waren bei einigen Freundinnen & Freunden deutlich sichtbar und spührbar. Ich konnte überhaupt nicht damit umgehen. Den Namen Gott konnte ich in den ersten Jahren, wenn überhaupt nur noch so eben durch die Zähne quetschen. Es war nur ein ungutes Zischen in Erinnerung an meine wirklich unschöne Kindheit. Erinnerungen an einen Gott den ich nur strafend, ungerecht und böse empfunden und oft auch schmerzhaft
gespürt habe.

Der dritte Schritt war mir dann auch mehr als suspekt, hieß es da doch. Wir fassten den Entschluss, unseren Willen und unser Leben der Sorge Gottes-wie wir ihn verstanden anzuvertrauen. Das fehlte mir grade noch,
das hatte ich doch hinter mir. Damit wollte nie wieder etwas zu tun haben, davon war ich geheilt. Ich hatte den aufrichtigen Wunsch mit dem trinken aufzuhören und ließ auch jeden Tag immer wieder neu das erste Glas stehen. Reichte das denn nicht ? Darum ging ich doch 3 mal die Woche ins Meeting. Ich bemühte mich doch jeden Tag wieder ein ganz klein wenig lebenfähig zu werden und vielleicht auch hin und wieder etwas nüchtern zu sein. Und ausserdem, ( Gott wie wir ihn verstanden ) was sollte das denn.? Das habe ich mein halbes Leben versucht und was hat es genutzt ? Ich habe mich in 25 Jahren fast tod gesoffen, wo war da ein Gott ? dieser
mir von einem fanatisch gläubigen Bodenpersonal eingeprügelte Gott ?

( Das ist die eine Seite die bei mir mit Gott und einer Höheren Macht zu tun hat. )

Einige Jahre später und immer noch trocken, ist etwas mit mir passiert. Ich weiß nicht was es war und erklären kann ich es auch nicht. Ich Hans der Alkoholiker durfte bei den Freundinnen & Freunden hier in meiner
Stadt, in meiner AA Gruppe Gläubig werden, Gläubig wie ein Kind. Der Name Gott hatte nichts, absolut nichts damit zu tun. Ich habe auch keine Religion gefunden, oder irgendeine aussergewöhnliche Kirchentür entdeckt. Im Gegenteil, ich weiß auch heute noch nicht wie hier in meiner Stadt die Kirchen von innen aussehen.

Es war etwas was ich spüren, fühlen, annehmen konnte und durfte, ohne ZWANG, ohne MUSS, ich durfte Leben, ich durfte Lieben, ich durfte Glauben. Da war etwas, was grösser war als ich, unbegreiflich und doch war es da. Ich darf heute jeden Tag immer wieder neu, diese Unbegreiflichkeit einer Höheren Macht annehmen, ja oft auch nur aushalten und staunen. Ich brauche eine oder auch diese Höhere Macht nicht zu verstehen, wie es im 3 Schritt heißt. ( Gott wie wir ihn verstanden ) Mir reicht es völlig, wenn ich diese Höhere Macht annehmen und manchmal auch nur aushalten kann und darf.

Heute kann ich den schlichten Satz verstehen und annehmen.

DEIN WILLE GESCHE

Ich habe ein halbes Leben dafür gebraucht.

Euch allen gute 24 Stunden.

Hans Alkoholiker heute trocken.
Hans aa-leben
 

Re: AA-Sein oder Nicht-AA-Sein?

Beitragvon Sybille R » 21. Jan 2010, 13:36

Hallo Freunde,
ich bin sozusagen nichtgläubige, unreligiöse, unspirituelle Nichttrinkerin. Ich kann total respektieren, wenn für andere Menschen die Gemeinschaft AA funktioniert, sie Frieden, Glück und Ruhe bei AA und im Glauben fanden. Für mich gilt das nicht. Ich habe Unruhe erlebt, Angriffe, Überheblichkeit, Introktination, Bedrohung ( wenn Du nicht in den Schritten arbeitest, wenn Du nicht zu den Meetings gehst, dann wirst Du rückfällig....) Natürlich ist mir klar, dass das Erlernen von spirituellen Ritualen bzw. das Bemühen um Glauben helfen kann bzw. das es funktioniert, habe ich ja gesehen, da waren viele Leute, die trocken waren.
Ich möchte meine Trockenheit bewahren, ohne Glauben, Religion, im Programm der AA leben. Ich lebe nicht nach den Schritten, ich habe keine Höhere Macht, keinen Gott, nichts. Ich habe meine Sucht und meinen Wunsch, keinen Alkohol mehr zu trinken, weil er zu verheerende Wirkungen zeigte.

Mein Suchtverhalten ist auch noch immer da, nur ich trinke nicht mehr, ich suche andere Wege, mein Suchtverhalten zu kanalisieren, aber ich praktiziere nicht die von AA angebotene, spirituelle Form. Und ich will es auch nicht. Ich habe alles gelesen, natürlich sind da erstklassige psychologische Überlegungen dabei, insgesamt aber ist mir die Stimmung, die Ansprache, die Haltung, die Formulierungen in den Büchern und Meetings nicht angenehm. Es ist der Glaube, der mir nichts sagt, die Schritte, die Traditionen. Natürlich hat AA auch total viele wertvolle Überlegungen anzubieten, wie Sucht funktioniert, nur eben dieses Rettungsmittel, der Glaube bzw. die Spiritualität bzw. die Gruppen, das ist nicht meine Welt. Und weil ich es immer nur so erlebt habe, dass es als Mangel angesehen wird, nicht zu glauben, als etwas, das mir vielleicht ja noch passiert, als etwas, dem ich mich aus Abwehr verschließe und mir damit selber etwas nehme, frage ich mich, ob AA nicht eigentlich doch nur für Menschen ist, die sich den Prinzipien unterwerfen, dass ich dort sein kann, weil eben manche erst spät zum Glauben finden... Nur, ich will es gar nicht, Religion und Glauben sind für mich etwas nicht Erstrebenswertes. Damit würde ich gerne akzeptiert werden.

Ich frage mich dann natürlich auch, warum schreibe ich hier? Weil ich eigentlich immer dachte, AA ist für alle da, die nicht mehr trinken wollen, die Schritte sind Empfehlungen, sie nicht anzuwenden ist genauso wertvoll und kann genauso aussichtsreich sein, wie sie anzuwenden.
Eigentlich suche ich den Austausch mit Menschen, die nicht mehr trinken. Weil es mich interessiert, wie sie trocken bleiben, weil es mir hilft, von anderen Lebenserfahrungen zu lesen.
Ich kann wirklich akzeptieren, wenn ich hier fehl am Platz sein sollte. Ich würde dann einfach weitersuchen, denn den Austausch brauche ich, ich suche etwas, wo die Prinzipien von AA ein Teil sind, aber eben nur eine Möglichkeit. Genau wie im Leben, es gibt Gläubige, Agnostiker, Atheisten. Jeder auf seine Art.
Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich meine Sucht seit einiger Zeit nicht mehr auslebe, dass es kein Kampf ist, dass ich verstanden habe, auf was ich aufpassen muss.
Dass mir klar ist, das ist nicht morgen vorbei oder übermorgen.

Gute 24 Stunden,
Claudia
Sybille R
 

Re: AA-Sein oder Nicht-AA-Sein?

Beitragvon Hans aa-leben » 21. Jan 2010, 14:56

Liebe Freundinnen & Freunde.

Hans Alkoholiker heute trocken

Ich möchte heute mal etwas über über Toleranz etwas schreiben

Ich frage mich dann natürlich auch, warum schreibe ich hier? Weil ich eigentlich immer dachte, AA ist für alle da, die nicht mehr trinken wollen, die Schritte sind Empfehlungen, sie nicht anzuwenden ist genau so wertvoll und kann genauso aussichtsreich sein, wie sie anzuwenden. Eigentlich suche ich den Austausch mit Menschen, die nicht mehr trinken. Weil es mich interessiert, wie sie trocken bleiben, weil es mir hilft, von anderen Lebenserfahrungen zu lesen. Ich kann wirklich akzeptieren, wenn ich hier fehl am Platz sein sollte. Ich würde dann einfach weitersuchen, denn den Austausch brauche ich, ich suche etwas, wo die Prinzipien von AA ein Teil sind, aber eben nur eine Möglichkeit. Genau wie im Leben, es gibt Gläubige, Agnostiker, Atheisten. Jeder auf seine Art.


Warum eine solche Rechtfertigung und vor allem vor wem. Du bist hier unter Freundinnen & Freunden die alle einmal durch die Hölle hin und zurück gelaufen sind. Die Blessuren bei jedem einzelnen mögen unterschiedlich sein, doch es sind bei allen die grausamen Folgen das Saufens, ja die Folgen des Saufens, denn trinken ging ja nicht mehr sondern es ist am ende nur noch ein Saufen, ein sich nach und nach selber umbringen, ob nun gewollt oder nicht gewollt lasse ich mal offen.

Toleranz-oder auch dem Anderen sein Anders-sein lassen. Wie wichtig ist das für mich geworden und ist es noch ?

Dieses komplizierte Wort habe ich immer und immer wieder gehört, aber anfangen konnte ich damit so recht noch nichts. Auch der Satz Dem Anderen sein Anders-sein lassen gehörte für mich eine sehr lange Zeit lediglich nur zur AA Literatur, die ich ohnehin noch nicht verstanden habe. Ich konnte mit all den neuen Formulierungen noch nichts anfangen. Ich wäre ja schon froh gewesen, wenn mir nur mal jemand zugehört hätte. Sehr oft bin ich mit rotem Kopf nach Hause gegangen. Wut im Bauch, nur noch einen Gedanken, Dem werde ich es schon noch zeigen. Ich habe mir dann Wort für Wort überlegt, ja auswendig gelernt, was ich dem sogenannten Alten der mich so runtergeputzt hatte im nächsten Meeting alles sagen werde.

Ich hatte immer das Gefühl, der will mich nicht verstehen, das ganze ist reine Provokation. Im nächsten Meeting hatte ich dann aber nicht den Mut es zu sagen was ich mir vorgenommen hatte und vor allem hatte ich meine sorgfältig zurecht gelegten Sätze schon wieder vergessen. Das ganze fing dann wieder von vorne an, ich nahm wieder alles persönlich. Jeder der redete meinte immer nur mich, alle wollten sie mir was. Ich glaubte damals niemand hört mir zu. mir wurden immer und immer wieder die so oft zitierten Schritte, Traditionen, Versprechen und Texte aus blauen, grünen oder aus sonst welchen Büchern um die Ohren gehauen und alles wurde dann überdeutlich als Empfehlungen deklariert. Das wort Regeln war ein Unwort und wurde peinlichst vermieden. Ich bekam wieder Wut und ging mit roten Kopf nach Hause. Ich war unzufrieden bis unter die Kopfhaut. Das sollte AA sein? Das sollte Erfahrung, Kraft und Hoffnung miteinander teilen sein? Danke das brauchte ich nicht, das wollte ich auch nicht, aber wie wollte ich es ändern.?

ICH DURFTE ES ÄNDERN.

Einer von den damaligen Älteren Freunden sagte mir in einer Pause unter 4 Augen folgendes, was ich aber nicht sofort verstanden habe. Lieber Hans. Kritik wird mit H geschrieben es heißt Hilfe. Wenn Du das erst mal begriffen hast, dann wirst Du bereit und auch willig. Dem Anderen sein Anderssein zu lassen

Ich durfte begreifen, ich durfte annehmen, ich durfte bereit und willig werden zu üben, Toleranz zu üben, es war für mich Schwerstarbeit. Es hat noch eine ganze Weile gedauert, aber es hat funktioniert. Heute gehe
ich nicht mehr mit rotem Kopf nach Hause. Heute darf ich nach jedem Meetings-Ende den Freundinnen und Freunden die Hand reichen und mit ihnen den Gelassenheits Spruch sprechen. Heute ist es immer wieder MEIN aufrichtiges Danke an alle. Alles aber wirklich alles was ich tue um lebensfähig zu werden, um mein Leben jeden Tag neu zu meistern, geht nur mit kleinen und kleinsten Schritten. Ich hatte sehr lange meine Sieben-Meilen-Stiefel an und musste darum auch immer wieder an meinen Ausgangspunkt zurück um mit kleinen und kleinsten Schritten in die richtige Richtung zu gehen. Ich fing an auch mal mein Gegenüber zu sehen, ihn ernst zu nehmen, ihm zuzuhören, ja ihn zu akzeptieren.

Eigentlich suche ich den Austausch mit Menschen, die nicht mehr trinken. Weil es mich interessiert, wie sie trocken bleiben, weil es mir hilft, von anderen Lebenserfahrungen zu lesen.


Diesen so wichtige Wunsch möchte ich nicht unbeantwortet lassen.
Als ich das große Geschenk NUR FÜR HEUTE DAS ERSTE GLAS STEHEN LASSEN annehmen konnte, war es mit meinen kämpfen und krampfen vorbei. Mit dieser meiner goldenen Eintrittskarte NUR FÜR HEUTE durfte ich bis an jeder neuen Vorstellung in meinem Leben teilnehmen. Es waren gute, weniger gute und oft auch sehr anstrengende Vorstellungen. Ich konnte und durfte sie ohne kämpfen und krampfen aushalten und annehmen und jeden tag wieder neu DANKE sagen.

Und nun ein wenig Mut zu verschenken. Es sind nun fast 30 Jahre darüber vergangen, es funktioniert wirklich.

AA hat mir nicht die Tore des Himmels geöffnet um hinein zu kommen,
AA hat mir die Tore der Hölle geöffnet um heraus zu kommen.

Euch allen gute 24 Stunden.

Hans Alkoholiker heute trocken.
Ich darf leben, ich muss es nicht.
Hans aa-leben
 

Re: AA-Sein oder Nicht-AA-Sein?

Beitragvon Bianka » 22. Jan 2010, 07:57

Liebe Claudia

Warum bist Du der Meinung, hier fehl am Platz zu sein? Ich bin genau wie Du ungläubig und unreligiös. Da ich nur von mir sprechen kann, werde ich Dir sagen, das meine Meinung von AA mit der Deinen überein stimmt. Ich habe sehr schlechte Erfahrungen bei AA gemacht.
Deshalb bin ich dann auch nicht mehr in die Live-Meetings gegangen. Es stimmt, wenn Du sagst das man Dir dort ihren Willen und Glauben aufzwingen will.
Da Du aber von "Hier" sprichst, muß ich Dir widersprechen. Ich bin jetzt 7 monate trocken, was ich außer einer LZT seit 31 jahren nicht geschafft habe. Und das liegt zu einem sehr großen Teil an den Menschen hier. Ich habe hier meine Freunde gefunden, mit denen ich über alles reden kann. Ich habe noch nicht einmal erlebt, das man mir irgendwas aufzwingen wollte.
Ich kann hier sein, wie ich bin und werde deshalb nicht weniger akzeptiert.
Du warst auch erst 2-3 mal hier und darum bin ich der Meinung, das Du Dir noch kein Urteil über diesen Chat und diese AA hier machen kannst.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Du weiterhin herkommen würdest und uns alle erst mal richtig kennen lernst.

Liebe Grüße

Bianka-Alkoholikerin
Bianka
 
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Registriert: 07.2009
Geschlecht: weiblich

Re: AA-Sein oder Nicht-AA-Sein?

Beitragvon Sibylle R » 22. Jan 2010, 23:10

Hallo Freunde, hallo Bianka,
ich wollte in keiner Weise irgendeine Beurteilung dieses Forum machen, Du hast vollkommen recht, ich kenne es ja kaum. Ich habe es vielleicht nicht gut formuliert. Meine Überlegungen waren eigentlich allgemein gemeint, nach dem Motto, bin ich bei AA generell fehl am Platze. Mir hat das gut getan, Deinen Beitrag zu lesen und ich finde das Forum hier sehr interessant und hilfreich und lese viel hier. Und ich bin froh, dass es dieses Thema "AA oder Nicht-AA" hier gibt zum Beispiel. Mir hat das geholfen, speziell die Beiträge zu diesem Thema zu lesen.
Danke fürs Lesen.
Viele Grüße, Claudia
Sibylle R
 

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