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Leben nach dem Alkohol

Probleme, Erfahrungen und Berichte zum Thema Alkohol

Leben nach dem Alkohol

Beitragvon Jochen » 15. Sep 2010, 21:32

Am ersten Tag, nachdem mein letztes Glas Rotwein trank, war mir so hundeelend, dass ich keinerlei Lust verspürte, etwas zu essen oder zu trinken. Am zweiten Tag trank ich Leitungswasser, aber selbst das verließ meinen Körper auf unüblichem Weg. Ich war an einer schweren Blasenentzündung erkrankt. Trotz Fiebers und unruhigem Schlaf fing ich am dritten Tag an, mir Gedanken zum Alkohol zu machen. Keinesfalls hatte ich mit ihm abgeschlossen, selbst in diesem erbärmlichen Zustand kam mir der irre Gedanke, meinen Magen mit einem "Kurzen" zu beruhigen. Ich empfand jedoch eine gewisse Freiheit: ICH musste entscheiden, was ich zu tun oder zu lassen hatte. Dass diese Entscheidung etwas mit Tod oder Leben zu tun hatte, wurde mir in den beiden ersten trockenen Wochen allmählich klar. Dass die Entscheidung zugunsten des Lebens ausfiel, hatte damit zu tun, dass ich zwar krank war, aber eben anders krank als vorher. Trotz Fieberschüben und ständigen Harndrangs war ich von einer Klarheit "befallen", die ich nicht kannte - oder auch im Laufe der Jahrzehnte verloren hatte. Dies, zusammen mit der neuen echten Freiheit, mich für oder gegen das Saufen zu entscheiden, war der entscheidende Schlüssel zur Genesung. Nach zwei Wochen konnte ich das Bett verlassen.

14 Tage ohne Alkohol - na prima, jetzt habe ich es geschafft. Ich werde einfach nie wieder saufen und damit ist das Problem aus der Welt. So dachte ich. Von den Anonymen Alkoholikern wusste ich zu diesem Zeitpunkt nur, dass es so einen "Verein" gibt ("Sekte" nannte ich sie). Sowas brauche ich nicht - ich schaffe das alleine. Basta.

Es war nicht so, dass ich während meiner Saufzeit durchgehend getrunken habe (das trifft "nur" auf die letzten 1-2 Monate vor dem finalen Absturz zu). Es gab öfters lichte Momente, wo ich merkte, dass ich zu viel trank. Im Internet hatte ich Informationen gefunden, die mir bedeuteten, dass Alkoholiker "nie mehr" was trinken dürfen. Witzigerweise war ich natürlich kein Alkoholiker, trotzdem hatte ich ein widersinniges Interesse am Leben von -anderen- Alkoholikern.

Das "Nie-mehr-dürfen" war es, was mich zunächst trocken hielt. Aber es war ein Kampf. Jede Flasche Alkohol, die ich sah, jeder der in meinem Beisein Alkohol trank, brachte mich in Gefahr. Dagagen hielt besagtes Nie-mehr-trinken-dürfen, aber auch mein besseres Allgemeinbefinden: keine Kopfschmerzen mehr, mehr echte Freizeit, leichteres Arbeiten, ... Mehrmals hatte ich das Glas mit Alkohol in der Hand, in der Absicht, den Inhalt in mich hinein zu schütten. Gedanken an Alkohol beherrschten mein Leben. Nein, ich war kein Alkoholiker, ich glaubte mit der Zeit wieder daran, dass ich irgendwann doch normal Alkohol trinken kann - und auch werde! Das "Nie-mehr" schmolz allmählich dahin... Nur für eine gewisse Zeit musste ich abstinent sein, dann würde es schon wieder gehen. - So ganz sicher war ich mir aber dessen nicht.

Ohne dass ich von den wilden Theorien um das sogenannte "kontrollierte Trinken" wusste, war genau das mein Ziel: Nach einer Trinkpause von einigen Monaten sollte ich das wohl können - wieder Alkohol in Maßen zu trinken. Eines machte mich jedoch stutzig: Wieso, lieber Jochen, machst du dir so viele Gedanken um den Alkohol und welche Mengen noch normal sind? Wieso kreisen deine Gedanken ständig um den magischen Stoff? Wieso machen sich andere Leute keine Gedanken darüber?

Habe ich vielleicht doch ein Alkoholproblem? Bin ich vielleicht doch Alkoholiker?

Wieder führten mich meine Fragen ins Internet. Dort traf ich glücklicherweise nicht auf das (heute ist mir das klar) widerwärtige Konzept des sogenannten "kontrollierten Trinkens". Das hätte mir nämlich damals gefallen: Wieder zu trinken wie ein normaler Mensch. Die Idee dazu hatte ich ja schon selbst, eine (pseudo-)wissenschaftliche Untermauerung wäre mir in meinem damaligen Zustand gerade recht gekommen.

Statt dessen fand ich Informationen der Anonymen Alkoholiker. Natürlich nicht nur diese. Aber die einfachen Grundsätze der AA erschienen mir sehr sinnvoll: Nur heute nicht trinken, statt "nie mehr". Keine Gründe für Rückfälle suchen, weder vorher noch nachher. Loslassen von Menschen und Dingen, die mir nicht gut tun. Inventur machen. Meetings besuchen, und so weiter. AA brachte mir nach einem dreiviertel Jahr Trockensein mehr Gelassenheit; ich musste nicht mehr bei jeder Anwesenheit von Alkohol zu kämpfen beginnen.

Nach ungefähr einem Jahr hatte ich bei einem Geschäfts"essen" mit reichlich Alkohol eine plötzliche Einsicht: Wenn andere Alkohol trinken -ganz gleich ob sie damit umgehen können oder nicht- hat das absolut gar nichts mit mir zu tun. Wenn ich nicht trinke, dann tue ich das nur für mich. Ich alleine entscheide, nichts zu trinken. Der Alkohol kommt nicht zu mir, sondern ich zu ihm - wenn ich es zulasse.

Das war ein großer Schritt für mich und in gewisser Weise ein Wendepunkt. Der Kampf gegen den Alkohol ist zuende. Ich habe verstanden, dass ich ihn nie hätte gewinnen können. Ich habe kapituliert.

Daraus nun zu schließen, dass ich nie mehr trinken werde - das wäre bestimmt fatal. Die Folge wäre, dass ich mich nicht mehr um meine Alkoholkrankheit kümmere, weil es ja "vorbei" ist. Letzteres würde mir suggerieren, dass ich nun gesund bin. Dieser Trugschluss würde mich sehr gefährden, denn Alkoholismus ist bekanntermaßen nicht heilbar. Er ist bei mir zum Stillstand gekommen. Das reicht mir jedoch völlig aus, weil ich einerseits gar kein Verlangen nach Alkohol habe und andererseits keine tödlichen Experimente machen möchte.

Allen noch trinkenden Freunden wünsche ich die richtige Entscheidung. Eines weiß ich heute ganz sicher: Ohne Alkohol läuft alles besser... wirklich alles!

Euer Jochen, Alkoholiker
Gute Freunde helfen einander.
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Re: Leben nach dem Alkohol

Beitragvon Bianka » 16. Sep 2010, 06:17

Hallo Freunde,

das Leben nach dem Alkohol ist ein entschieden anderes als mit Alkohol. Für mich war und ist es immer noch eine große Umstellung,
die sich nicht einfach von heut auf morgen ergibt. Ich mußte und muß was dafür tun.
Zuerst mußte ich den sogenannten Absprung schaffen, der für mich höllisch verlaufen ist.Ich hatte solche Entzugserscheinungen, das ich auf allen Vieren zur Toilette gekrochen bin. Es kam hinten und vorne und oben und unten gleichzeitig raus. Manchmal habe ich es nicht mal bis zum WC geschafft. Das ging fast 4 Tage so.
Nun hatte ich das Glück ( Pech? ) allein zu Hause zu sein. Niemand da, der mir hätte was holen können. Ich konnte ja nicht.
Nach den 4 Tagen kam mir der Gedanke, jetzt mußt du was machen, nochmal überstehst du so einen Entzug nicht.

Nun ist das aber so, ich hatte ja schon so viele Anläufe hinter mir und immer wieder rückfällig geworden. Die 1. Zeit bin ich wie gewohnt vorgegangen.Du darfst nicht. du mußt kämpfen. Das ist der große Fehler, den wohl viele machen. Man reibt sich auf dabei und sieht vor lauter Kämpfen die Gefahr gar nicht.

Und nun geschah das große " Wunder", ich lernte die Freunde von LOA kennen, von denen ich erstmalig den Satz hörte: Nur heute nicht! Ich hatte mir Tage und Wochen vorgegeben, was natürlich schief ging, weil die Zeitspanne für ein Alki-Gehirn viel zu groß ist
Hier kam auch immer wieder der Satz vom Kapitulieren. Ja, wie soll das denn gehen? Wenn ich aufhöre zu kämpfen, gewinnt er ja doch wieder. Es hat lange gebraucht, bis ich diesen Satz verstand. Upps, es hat klick gemacht!

Ich weiß, er ist viel stärker als ich, also geh ich ihm aus dem Weg. Ich habe kapituliert!

Auch wenn ich noch vieles in meinem Leben ändern muß, damit es mir RICHTIG gut geht, möchte ich die Zeit der Trockenheit nicht mehr missen.

Ich habe eine neue, große Chance erhalten, was ich daraus mache, liegt nur in MEINER Hand. Nur für HEUTE!

Ein großes Danke an Jochen, Olaf und Jutta, die meine 1. trockenen Schritte begleitet haben.
Danke, das es Euch gibt.

Eure Bianka-Alkoholikerin, heute trocken
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Re: Leben nach dem Alkohol

Beitragvon Jochen » 20. Sep 2010, 21:35

Hier nochmals der Jochen, Alkoholiker.

Mein "Leben nach dem Alkohol" hat einiges verändert. Am besten beschreibt es: Ich spüre meine Seele wieder. Glück ist etwas anfassbares geworden. Kleinigkeiten, wie ein fröhlicher Hund oder eine kleines Gänseblümchen in der Sonne bringen mich in eine schöne und frohe Stimmung. Auch das Gegenteil ist möglich: Traurige Dinge, hässliche Begebenheiten kann ich sehen, richtig anschauen, offener damit umgehen.

Ich sage ja nichts Neues, wenn ich von einem klaren Blick für die Dinge des Lebens spreche, die erst durch die Kapitulation vor dem Alkohol möglich wurden. Aber ich glaube, dass ich dies zur Zeit deutlicher nicht spüren kann. Darin steckt für mich auch die Möglichkeit, alle Probleme die mir entgegen treten, zu bewältigen (womit ich nicht zwingend meine: "aus der Welt schaffen"). Ich habe das Ruder wieder in der Hand. Sollte ich dennoch im Sturm untergehen, habe ich doch mein bestes gegeben. Den Optimismus, dass dies nicht geschieht, habe ich erst, seitdem ich nicht mehr trinke (genaugenommen erst ein Jahr danach).

Die Werte haben sich geändert!
War es zuvor ein sehr oberflächliches Dasein, welches aus vielen Lügengebäuden und asozialen Verhaltensweisen bestand, so weicht dies mehr und mehr einer größeren "Tiefe". Äußerliche DInge spielen eine geringere Rolle. Das Bestreben, bei anderen Eindruck zu schinden, ist fast verschwunden; das schien unter Alkoholeinfluss eine entscheidend wichtige Sache zu sein, nicht zuletzt um die Sauferei zu vertuschen. Es kümmert mich nicht mehr besonders, wie sich jemand "gibt". Wichtiger sind Werte wie Freundschaft, Ehrlichkeit, Offenheit. Mitunter kann letztere auch zu Problemen führen. Wobei es wohl häufig daran liegt, dass das früher kaum vorkam.

Es gibt viele Dinge, die ich heute einfach tue ohne jemanden zu fragen. So lange wie ich dadurch niemanden einschränke, ist das für mich in Ordnung. Während meiner Trinkerzeit war mir das versagt, weil ich beim Saufen in Ruhe gelassen sein wollte. Da kaufte ich mir den Alkohol - und gab dafür meine Freiheit her.

Gute 24 Stunden!
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Re: Leben nach dem Alkohol

Beitragvon Jutta » 23. Sep 2010, 16:22

Mein Leben nach dem Alkohol,


genau genommen ist das der Beginn meines Lebens. Alles was vorher war, war nicht ich sondern das was ich sein sollte, was man von mir erwartete, was ich dachte, das es meine Pflicht sei. Viele dieser Dinge waren Zwang, Last wohl eingehüllt in Alkohol, der all das “schön” und “richtig” machte.

Tag 3 nach dem Alkohol, mein erstes Therapiegespräch. Man fragte mich was mein Ziel sei. Ich antwortete, mich finden. Ich begann die Suche. Ich fand Dinge die waren toll, für mich. Vieles wurde anders, dabei nicht einmal schlechter für die anderen, eben nur anders.

Ich bin nun einem Punkt wo Veränderungen zwar noch statt finden, aber nicht mehr in diesem rasanten Tempo. Ich habe vieles von mir entdeckt, aber die Reise ist lange nicht zu Ende. Wir sie es je sein. Ist Ende nicht gleich tot?

Ich kann sagen dieser berühmte neue Geburtstag, dos, hat jede Berechtigung. Es ist wie eine Neugeburt in ein besseres Leben.


Glücklich die zweite Chance wahrgenommen zu haben ist



Jutta, Alkoholikerin - heute trocken
Jutta
 


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