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Bericht eines "Nicht Alkoholikers"

Probleme, Erfahrungen und Berichte zum Thema Alkohol

Bericht eines "Nicht Alkoholikers"

Beitragvon Jutta » 14. Nov 2009, 20:17

Kann man auch ohne Alkohol lustig sein?


Himmelfahrt, Vatertag – für viele auch ein Tag des Kampftrinkens. Wie ist das aber, wenn man überhaupt keinen Alkohol trinkt? Auf dem langen Weg zu sich selbst läuft unser Kolumnist zurzeit auf einer Durstrecke. Und probiert das für ihn bisher Unmögliche. Dabei steckt der Teufel nicht nur in der Flasche, sondern auch im Detail.

Manche Sätze wollen einfach über die Lippen kommen. „Ich werde ein paar Monate keinen Alkohol trinken“, ist so ein Satz. Wie soll das gehen? Schon als ich meinen 14. Geburtstag feierte, war Sektbowle der Klebstoff, der die Geburtstags-Party zusammenhielt. „Ich bin schon voll betrunken“, sicherten wir uns gegenseitig zu, obwohl die eine Flasche Sekt, in der Wäscheschüssel voller Fruchtkonserven von meiner Mutter, eher symbolischen Wert hatte. Aber wir glaubten an unsere Bowle, und sie funktionierte für uns so rätselhaft wie sonst nur die Homöopathie.

Auch das folgende 14. Lebensjahr war, (wie all die anderen Jahre danach auch) von Alkohol geprägt. Denn das aufregende Verhältnis war leider nicht das zur langbeinigen Bio-Referendarin Frau Lotterbett (sie hieß wirklich so), sondern die Mischung zwei Teile Kirschsaft, ein Teil "Batida de Coco". Alkohol wurde ein fester Teil unseres Lebens. Wir wurden älter, die Nächte kürzer, der Kater immer länger. Kotzgeschichten standen hoch im Kurs.

Heute ist das im Grund genommen nicht anders, es ist nur mehr Ruhe und System im Trinken. Wenn ein Freund anruft, sagt er: „Lass uns mal ein Bierchen trinken“ und meint fünf, sechs. Wenn zu einem Essen geladen wird, geht es eigentlich ums Trinken. Und was wäre ein abendliches „Get-together“ mit ohne Promille? Eine Fortsetzung der Arbeit mit anderen Mitteln. Ein Blick auf die Statistiken über den Pro-Kopf-Konsum unser Nation bestätigt – für einen Durchschnittsdeutschen mit einer Durchschnittsbiografie gilt: Alkohol ist wie eine verführerische Freundin, die immer auf einen wartet, egal wohin man geht.

Aber was macht man eigentlich, wenn man keinen Alkohol trinkt? Diese Fragen haben wir gerne beim Bier in der Kneipe diskutiert. Theoretisch natürlich. Was bestelle ich an der Bar? Kirsch-Banane? Ein Flasche Wasser? Einen Virgin Mojito, der fast so viel kostet wie sein alkoholischer großer Bruder, aber einfach nicht betrunken macht? Spontan fiel uns da nur unser Kumpel Henne ein, der ist „Straight Edge“, das heißt szenecool, aber drogenfrei. Deswegen muss er sich auf Partys ständig beschäftigen. Er ist DJ, großer Kommunikator und nebenbei performt er immer noch mit einem Miniskateboard („Fingerboard“) Tricks mit dem rechten Zeige- und Mittelfinger. Seine Energie hat keiner von uns. Wir müssen trinken.

Ins Grübeln kam ich, als ich eine Frau heiratete, die keinen Alkohol mag. Sie hatte einfach nie angefangen zu trinken. Da saßen wir nun plötzlich an Geburtstagen oder speziellen Tagen, wenn ein besonders warmer Mittwochabend auf dem Balkon anbrach, ich mit meiner Flasche Prosecco, sie mit einem verkniffenen Lächeln, tapfer das symbolische Mittrink-Glas zum Anstoßen in der Hand. Es gibt einfach Situationen, da braucht man Komplizen: Banküberfälle, Schuleschwänzen, Schokolade futtern. Oder ein paar Flaschen Wein an einem lauen Sommerabend vernaschen.
Jetzt, sieben Jahre und zwei Kinder später, sagt mir mein Psychologe, dass ich morgens immer so müde bin, weil ich a) zu viel arbeite, b) zu wenig schlafe, c) ungesund lebe. Ob ich mir vorstellen könne, keinen Alkohol mehr zu trinken? Natürlich nicht. Nur eine Woche?
Das schon. "Probieren Sie es doch mal aus", sagte er lächelnd, "Sie können ja jederzeit wieder anfangen."

Die ersten zwei Wochen ohne Alkohol sind vom sportlichen Ehrgeiz geprägt. Im Anfang liegt ein ganz spezieller Zauber. Mit etwas Ehrgeiz kann man schnell Erfolge erzielen. Man meidet die Gelegenheiten, wo man früher Promille gefangen hätte, das heißt: Ich bleibe einfach die ganze Woche zu Hause. Und verdaue auch nach schwerem Essen ohne meinen geliebten "Becherovka".

Dann kommt die schlechte Laune. Der Tag lässt nicht nach, wenn das Feierabendbierchen die Sorgen herunterspült. Der Wein am Wochenende glättet die zerknitterten Nerven nicht mehr. Das Leben ist roh und manchmal brutal ehrlich. Erst steigt der Kaffee-, dann der Schokoladenkonsum. Belohnung muss sein. Dazu kommen die praktischen Probleme: Es ist nicht einfach zu tanzen, wenn das Selbstbild nicht schön getrunken ist. Schon gar nicht für einen Deutschen. Überraschend unterhaltsam dagegen ist es, den Niedergang einer Tischgesellschaft zu beobachten, wenn man selbst bis vier Uhr morgens nüchtern bleibt. Doch anders als mit Feuerwasser gibt es bei Partys längere Phasen der Langeweile. Dass man auch ohne Alkohol lustig sein kann, stimmt zwar. Aber mit ist einfacher.

Die Freunde reagieren unterschiedlich. Manche kapieren einfach nicht, dass sie beim Treffen weiterhin Bier trinken können, ohne dass ich leide. Andere sehen den Verzicht auf Alkohol als eine Art Krankheit, ein Schicksalsschlag, der hoffentlich irgendwann vorbeigeht.
Manche rufen mich gar nicht mehr an. Wieder andere freuen sich und machen bei den alkoholfreien Abenden mit. Überhaupt: Wenn das Thema einmal unverkrampft angesprochen ist, wundere ich mich, wie viele Menschen in meinem Bekanntenkreis auch zurzeit keinen Alkohol trinken. Aus gesundheitlichen Gründen. Oder weil jeden Freitag und Samstag instinktiv zwei Flaschen mit der Ehefrau geleert wurden, das den beiden irgendwann einmal aufgefallen ist und ihnen Angst gemacht hat.

Nach einem Monat setzt der Mangel von Alkohol eine unglaubliche Energie frei. Die meisten Tage haben Gold im Mund und nicht die tote, pelzige Katze auf der Zunge. Die Rückenschmerzen sind weg. Der Kopf ist frei. Die Grippewelle wird nicht zum Tsunami. Nach zwei Monaten kommt die Routine. Statt in die Kneipe, geht es ins Kino. Es gibt mehr Mittagessen, weniger Abendessen. Statt dem Kurzem gibt’s eine lange Nacht.

Inzwischen sind es drei Monate. Ein Ende ist nicht abzusehen. Es gibt eine überraschende Normalität. Gestern habe ich sogar mein erstes Bier getrunken. Beck´s Gold. Früher war das für mich eine leichte Abwechslung zum herben Normalbier. Gestern schmeckte es einfach nur labbrig. Das grüne Original dagegen enttäuschte mich nicht. Es war schön, wieder ein Bierchen zu trinken. Wie der Sex mit einer Ex-Freundin. „Ich habe nachgedacht, ich brauche meine persönliche Freiheit.“, „Das mit uns war geil, aber einfach zu intensiv“, „Jetzt müssen wir wieder langsam und behutsam aufeinander zu gehen.“ Wenn Bier reden könnte, würden jetzt solche Sätze fallen. Ich küsse die Flasche noch einmal zärtlich auf ihren Hals und gehe alleine nach Hause.

(von Tobias Schönpflug, die WELt „normaler“ Mensch)




gute 24 Stunden

Jutta, Alkoholikerin
Jutta
 

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